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Heute vor 6 Monaten…

Christoph Schmitt im Fluthilfeeinsatz
Eigentlich dachte ich, es sind alle vorbereitet. Das wird ein normales Hochwasser. Doch die acht Meter hohe Flutwelle, die in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag überstieg alle Vorstellungen. Noch am Mittwochabend war ich noch zu Gast bei SPD-Ortsverein in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Beim Abschied hatte ich noch zu den Genossinnen und Genossen gesagt: Passt auf euch auf! Es wird wahrscheinlich eine ungemütliche Nacht. Aber ich konnte mir nicht annähernd dieses Ausmaß vorstellen. Am Donnerstagmorgen klingelte gegen fünf Uhr mein Handy. Bei Freunden war der Keller vollgelaufen. Ich fuhr direkt los nach Bad Neuenahr. Dort habe ich zum ersten Mal das Ausmaß der Katastrophe gesehen, aber den ganzen Tag gebraucht, um das zu realisieren, weil es vom Ausmaß her einfach unvorstellbar war. Später am Tag rückte die Bundeswehr in Bad Neuenahr ein. Ich ging Richtung Ahr und stellte fest, dass keine Brücke mehr stand. Autos lagen quer auf den Dächern. Menschen wurden aus Häusern geborgen.
Auch Sinzig wurde schwer getroffen. Im Lebenshilfehaus in der Pestalozzistraße ertranken zwölf Bewohner*innen – ein entsetzliches Drama. Ich bin dann später dorthin und habe bei den Aufräumarbeiten und Schlamm schippen geholfen. Mein Arbeitgeber hat mir dann fünf Tage Sonderurlaub gewährt, denn es gab soviel überall zu tun. In den nächsten Tagen sind wir dann einer Gruppe von zehn Leuten aus dem Freundes- und Bekanntenkreis von morgens bis abends unterwegs, um im Ahrtal aufzuräumen. Das war nicht nur physisch fordernd. Wenn wir abends nach Hause kamen, setzten wir uns erst mal zusammen, haben was gegessen, ein Bier getrunken und geredet. Denn es hat einen emotional schon sehr mitgenommen dieses Elend zu sehen. Wenn man die privaten Sachen aus den Häusern räumt, die verschlammt sind, wenn man auf einmal Hochzeitsfotos in den Händen hält, die durch den Gulli angespült werden, macht das schon etwas mit einem. Es war schön, die große Solidarität in der Region zu spüren. Besonders bewegt hat mich die Situation, wo ein über 70-jähriger Mann alleine vor seinem Haus stand. Wir kannten ihn nicht und haben gefragt, ob wir ihm helfen können. Da haben wir mit angepackt. Nach zehn Minuten hat er angefangen zu weinen, weil er so überwältigt war, dass fremde Menschen ihm helfen. Dies konnte man an jeder Ecke zu beobachten. Die Solidarität war und ist enorm. Das ist Wahnsinn, aber es ist auch die einzige Stütze, die viele Menschen aktuell haben!
Jetzt ein halbes Jahr später ist es wieder oder immer noch vielen Betroffenen zum weinen zumute. Zwar ist mittlerweile klargeworden, das der Wiederaufbau nach dieser enormen Zerstörung Zeit braucht. Aber die Bürgerinnen und Bürger wollen mitgenommen, beteiligt werden bei der Planung und Umsetzung ihrer Heimat, unseres bis zum 14.07.2021 traumhaft schönen Ahrtals. Sie haben die Hoffnung aufgegeben, das die vor über 4 Monaten bei der Zukunftskonferenz Kreis Ahrweiler getätigten, vollmundigen Versprechungen eingehalten werden und man gemeinsam den Wiederaufbau angehen werde. Viele gute und wichtige Ideen von Betroffenen, und auch nicht direkt Betroffenen, liegen seit Monaten in Schubladen der Kreisverwaltung Ahrweiler und dem ersten Beigeordneten Gies ungenutzt.
Ein ernsthaft gewollte Bürgerbeteiligung sieht anders aus. Gerade jetzt wollen und müssen sich die Bürgerinnen und Bürger verstanden wissen, ernst genommen mit ihren Ideen und Vorschlägen. Dies ist jedoch Monate nach der Flutkatastrophe offensichtlich nicht der Fall!
Es wird Zeit, dass sich das ändert! #neustartaw

© 2022 Christoph Schmitt